Scottish Borders: Schottlands best gehütetes Geheimnis

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Sanfte Hügel, gemäßigtes Klima, wellenförmige Hochebenen und fruchtbare Täler: Scottish Borders ist so ziemlich das Gegenteil der aufregenden Highlands. Zuweilen könnte man sogar meinen, man befinde sich in Irland, schließlich gibt es auch hier jede Menge Schafe und sattes Grün, soweit das Auge reicht. Die Council Area Scottish Borders ist unter Touristen weitaus weniger bekannt als die üblichen Schottland-Highlights. Zu Unrecht, wie ich finde. Nach einer Woche Aufenthalt in dieser attraktiven Region weiß ich: Scottish Borders ist Schottlands best gehütetes Geheimnis. Ich verrate Dir meine Scottish Borders Reisetipps, damit auch Du Dich bald von der Schönheit dieser Region überzeugen kannst.

Wo liegt Scottish Borders?

Scottish Borders ist im Südosten Schottlands gelegen und grenzt an England. Im Osten des Landes hat Scottish Borders sogar ein Stück Nordseeküste, die sich von Cockburnspath (das heißt wirklich so!) im Norden bis fast nach Berwick-upon-Tweed erstreckt. Der Fluss Tweed ist insgesamt 156 Kilometer lang und fließt größtenteils durch die Scottish Borders Region – auf 27 Kilometern bildet er sogar eine natürliche Grenze zwischen England und Schottland.

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Klima & Reisezeit für Scottish Borders

Das Klima in Scottish Borders ist relativ gemäßigt, deshalb ist die Region zu jeder Jahreszeit ein gutes Reiseziel. Extreme Temperaturen und Witterungsverhältnisse gibt es hier eher selten, das maritime Klima sorgt für warme Sommer (wärmster Monat: Juli)  und gemäßigt kalte Winter (kältester Monat: Januar). Ich habe Scottish Borders Ende Oktober besucht und war die ganze Zeit mit einer Softshell-Jacke unterwegs. Beim Wandern oder bei der Gartenarbeit schien öfter mal die Sonne, so dass ich hier meist nur ein Hoodie oder eine Fleece-Jacke getragen habe. Regen und Sonne haben sich fast täglich abgewechselt, weshalb ich auch bei kurzen Spaziergängen immer die Wanderschuhe angezogen habe: zum Schutz vor den matschigen Feldern und weil ich warme Füße liebe. Falls Du mit Regen ein Problem hast, dann solltest Du auf keinen Fall im Dezember nach Scottish Borders reisen, denn hier schüttet es am meisten. Da bist Du besser mit dem April bedient, denn kurioserweise ist das der trockenste Monat.

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Aktivitäten in Scottish Borders

Nach meiner Zeit in den Highlands und in Fife kam ich eher per Zufall nach Scottish Borders. Ich suchte nach einer Möglichkeit, um eine Woche relativ kostengünstig zu überbrücken und fand so einen Workaway-Aufenthalt in Scottish Borders. (Mehr zu Workaway und der Finanzierung eines Schottlands-Trips demnächst). Den Ausschlag für die Gegend gab, wenn ich ehrlich bin, hauptsächlich die geografische Lage, denn ich wollte danach nach Edinburgh und Glasgow und Scottish Borders erschien mir so die passende Wahl (und natürlich, dass ich es dort mit acht Hundewelpen zu tun haben würde, aber dazu ebenso mehr an anderer Stelle). Als ich mich online über Scottish Borders schlau machte, klang es zwar nett, es ließ mein Herz aber nicht unbedingt höher schlagen. Sanfte Hügellandschaften und sattes Grün kenne ich eben auch aus meiner alten Heimat Bodensee – mag ich, brauche ich jetzt aber nicht unbedingt im Urlaub und außerdem war ich immer noch hin und weg von der atemberaubenden Schönheit der Highlands.

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Ein Tag in Scottish Borders und jegliches Gefühl der Unaufgeregtheit war gewichen: Scottish Borders ist alles andere als langweilig. Auf meinen ausgiebigen Spaziergängen mit meiner Gastgeberin und ihren Hunden, bei den Ausflügen in die kleinen Markstädtchen und bei Konzerten, Restaurant- & Cafébesuchen wurde mir klar: Scottish Borders ist der absolute Geheimtipp für einen Schottlandurlaub. Top-Aktivitäten für die Region sind Wandern & Angeln, es gibt stattliche Herrenhäuser, Kirchen, Abteien, wunderschöne mittelalterliche Städte und Dörfer mit einer lebendigen Kultur sowie eine Vielzahl an kulinarischen Erlebnissen.

 

Historische Städte und mittelalterliche Abteien

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Galashiels

In Scottish Borders gibt es eine ganze Menge sehenswerter Städtchen. Angekommen bin ich in Galashiels, der größten Stadt der Region, denn hierher gibt es, im Gegensatz zu vielen anderen Städten, eine Zugverbindung von Edinburgh. Von Galashiels habe ich demnach auch nicht mehr gesehen als den Bahnhof, aber immerhin habe ich hier das kulinarische Unternehmen „Born in the Borders“ entdeckt – mehr dazu weiter unten. Scottish Borders ist bekannt für seine textile Vergangenheit, in Galashiels wird in der Waverley Mill auch heute noch Tartan hergestellt. Der Mühle angegliedert ist ein Besucherzentrum, wo Du Dich für Führungen durch die Mühle anmelden kannst.

Hawick

Auch in Harwick dreht sich alles um Textilien, insbesondere Strickwaren und Kaschmir. Im Borders Textile Towerhouse erfährst Du alles über die interessante Geschichte der Textilindustrie in Hawick. Am bekanntesten ist Hawick jedoch für das jährliche Event „Common Riding,“ von dem auch die bekannte Pferdestatue „The Horse“ zeugt. Von dieser Veranstaltung erzähle ich Dir in einem extra Blogpost demnächst mehr – sei gespannt, es wird hochinteressant!

Jedburgh

Jedburgh liegt gerade mal zehn Meilen von der englischen Grenze entfernt. Im 16. Jahrhundert  verbrachte Maria Stuart einige Zeit in Jedburgh, um sich von einer schweren Krankheit zu erholen. In dem Haus, in dem sie sich erholte, bevor sie ihr späteres tragisches Schicksal ereignete, erfährst Du alles über das rasante Leben der Königin erfahren. Hier erfährst Du mehr über das Mary Queen of Scots House in Jedburgh.

Kelso

Kelso rühmt sich mit dem größten Marktplatz Schottlands, in dessen Mitte der „bull ring“ in Form von Pflastersteinen dargestellt ist. Das soll an den Viehmarkt vergangener Tage erinnern. Heute befinden sich auf dem breiten Marktplatz viele kleine Cafés und Geschäfte zum Stöbern und Verweilen.

Peebles

Peebles ist die vielleicht schönste Stadt in den Scottish Borders. Keine 40 Kilometer von Edinburgh entfernt liegt Peebles an der Mündung des Eddleston Water in den Fluss Tweed. Als eines der ältesten Royal Burghs in Schottland hat Peebles all das, was diese typischen schottischen Kleinstädte so charmant macht: alte Kirchen, Steinhäuser, ein paar Monumente und ein reges Markttreiben. Hier ist längst nicht alles Mainstream: Peebles hat schon einige Preise für seine inhabergeführten Geschäfte eingeheimst und die kreative Ader der Einwohner spürt man an fast jeder Ecke. Auch toll: das Kunst- und Jazzfestival „Beltane Festival,“ das jedes Jahr im Sommer stattfindet.

Innerleithen

In Innerleithen lohnt sich ein Besuch, wenn Du Dich für Geschichte und Royals interessierst. Das berühmte Traquair House beherbergte 27 Könige und Königinnen, darunter auch Maria Stuart. Ebenfalls sehenswert: das im Garten des Traquair House gelegene Maislabyrinth sowie die Brauerei, in der auch heute noch berühmte Ales produziert werden.

St. Abbs

Das kleine Fischerdorf St. Abbs liegt sehr malerisch an der südöstlichen Küste Schottlands. Aufgrund seines sehr klaren Gewässers und dem Artenreichtum ist St. Abbs ein beliebter Ort für Taucher. Aber auch die nahe Umgebung von St. Abbs ist sehr sehenswert: Das St. Abbs Nature Reserve mit seinen Klippen ist ein Paradies für Naturliebhaber, Wanderfreunde und Vogelbeobachter.

Melrose

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Meine persönliche Lieblingsstadt in den Scottish Borders. Das Hügeltrio der Eildon Hills sieht man schon von Weitem, an ihrem Fuß bettet sich Melrose in das Tal des Tweed-Flusses. In Melrose gibt es einen Rugby-Platz, denn hier wurde das 7er-Rugby erfunden. Hauptattraktion von Melrose ist die Melrose Abbey, eine Abtei die bereits im 7. Jahrhundert errichtet wurde, nach einer Raubschatzung jedoch komplett zerstört wurde, bevor die Zisterzienser-Mönche sie im 12. Jahrhundert wieder aufbauen. Der Legende nach liegt hier das Herz des schottischen Königs Robert the Bruce begraben. Die Mauern der Abtei sind Kulisse für atemberaubende Lichtspiele, vor allem zur Zeit des Sonnenuntergangs. Mein persönliches Highlight in Melrose verrate ich Dir ein wenig weiter unten im Text.

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Selkirk

Selkirk ist der Ort, an dem ich eine ganze Woche verbracht habe, deshalb ist mir die Stadt, die hoch über dem Fluss Ettrick gelegen ist, ganz besonders ans Herz gewachsen. Wie Du weiter unten erfährst, wurde hier das berühmte „Selkirk Bannock“ erfunden, und auch sonst hat Selkirk einiges zu bieten. Im Stadtmuseum „Haliwells House Museum“ erfährst Du alles über das berühmte „Hawick Common Riding“ und das Stadtleben zu früheren Zeiten. Einen sehr berühmten Einwohner hatte Selkirk: Der Autor Sir Walter Scott war über dreißig Jahre lang Sheriff, seinen Gerichtssaal kannst Du auch heute noch besichtigen.

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Scottish Borders für Foodies

Von traditionell bis innovativ: Scottish Borders ist ein wahres Foodie-Paradies. Im Scottish Borders Food and Drink Network organisieren sich Pubs, Cafés, Restaurants und Cafés gemeinsam, um Spezialitäten und kulinarische Kreationen der Region bekannt zu machen. Scottish Borders ist bekannt für nachhaltig produzierte Lebensmittel wie Gemüse, Wild und Fisch, aber auch für Craft Beer Brauereien, Gin- und Whisky- Distillerien sowie regionale Süßigkeiten und Gebäckspezialitäten. In Scottish Borders gibt es verschiedene „Food Trails,“ wo Du Dir auf interaktiven Karten Deine Route selbst zusammenstellen kannst. Je nach persönlicher Vorliebe führen Dich diese Wanderungen, Fahrradtouren oder Spaziergänge zu landestypischer einfacher Küche, Highlights der Foodie-Szene oder exzellenter Küche auf Sterne-Nivau. Lass‘ Dich am besten einfach inspirieren und schnuppere in die Scottish Border Food Trails hinein. Eine Übersicht über die Mitglieder des Scottish Borders Food & Drink Network erhältst Du hier ebenfalls.

Regionale Spezialitäten in Scottish Borders

Regionale Spezialitäten, für die Scottish Borders besonders bekannt ist, sind handgemachte Pralinen und Süßigkeiten, Käsespezialitäten, Geflügel, Wild, Fisch, Bier und Ale. Als ich mit dem Zug von Edinburgh nach Galashiels angereist bin, habe ich im Aufenthaltsgebäude der Zuggesellschaft ein kleines Café mit integrierten Shop entdeckt. Hier werden auschließlich Produkte angeboten, die in der Borders Region hergestellt werden: Suppen, Sandwiches, Gebäck sowie Bier und andere Getränke aus der Gegend. „Born in the Borders“ ist aber mehr als nur ein kleines Café, denn was ich dort gesehen hatte, war nur ein kleiner Teaser für das Eigentliche. Das Hauptprodukt ist ein Besucherzentrum mit Café und Restaurant, das über die Produkte und Akteure der kulinarischen Region Scottish Borders nicht nur berichtet, sondern diese auch gleich live vor Ort erleben (und probieren!) lässt. Wenn ich nächstes Mal in Scottish Borders bin, möchte ich unbedingt an der Brauerei-Tour in Jedburgh teilnehmen und werde mir selbstverständlich auch den Afternoon Tea nicht entgehen lassen. Mehr über die kulinarischen Events von Born in the Borders erfährst Du auf der Website des Unternehmens.

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Gebäckspezialität „Selkirk Bannock“

Schon bevor ich in die Scottish Borders reiste, hatte sich ein spezielles Etwas in meinem Hinterkopf festgesetzt. In der allerersten Folge von Outlander erwähnte die Haushälterin „Mrs. Fitzgibbons“ ein gewisses „Selkirk Bannock.“ Daran erinnerte ich mich, als mich meine Gastgeberin Maggie am Bahnhof von Selkirk abholte, der Stadt in den Scottish Borders, in der ich meine kommende Woche verbringen würde. Und, bingo: der (oder das?) Selkirk Bannock ist ein trockener Obstkuchen, der genau hier erfunden wurde. Das Haus, in dem das Gebäck jahrhundertelang produziert wurde, steht immer noch prominent im Stadtzentrum, mittlerweile werden hier jedoch keine Bannocks gebacken, sondern Snacks serviert. Dennoch kann man das Gebäck auch heute noch überall in der Stadt kaufen – meine Gastgeberin ließ es sich jedoch nicht nehmen, mir ein Bannock zu backen, das wir dann an den kommenden Tagen jeweils zum Frühstück als zweiten Gang nach dem Porridge verzehrt haben. Mehr zum Selkirk Bannock erfährst Du demnächst auf meinem Reise- und Laufblog Tracks and the City, wo ich in der Rubrik „Bakes &  the City“ besondere regionale Gebäckspezialitäten vorstelle.

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Geheimtipp: mein ganz persönlicher Lieblingsort in Scottish Borders

An diesem Ort hätte ich mich ewig aufhalten können, hätte ich ihn nicht kurz vor dem Ende der Öffnungszeiten entdeckt: der Priorwood Garden in Melrose. Zugehörig zur Abtei befindet sich innerhalb alter Gemäuer ein Apfelgarten, in dem über 90 alte Apfelsorten kultiviert werden. Heruntergefallene Äpfel darfst Du mitnehmen und wenn es warm genug ist, ist der Apfelgarten der perfekte Platz für ein idyllisches Picknick. Der Garten ist täglich von 10 bis 17 Uhr  geöffnet, der Eintritt ist frei (aber Hunde müssen leider draußen bleiben).

Und wann fährst Du in die Scottish Borders? Oder warst Du vielleicht schonmal dort? Ich freue mich über Deine Geschichten.

 

 

 

 

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4 Kommentare

  1. Wir sind bisher immer nur durchgefahren. Aber einen echten Geheimtipp für einen zauberhaften Zwischenstopp habe ich ganz im Norden. Leider musste ich der Verantwortlichen für das kleine Paradies versprechen, nicht darüber zu bloggen, weil sie den Ort zwar öffentlich zugänglich halten, aber keine Touristen-Invasion haben möchten. Aber wenn du das nächste Mal in die Gegend fährst, schick mir eine Nachricht, dann verrate ich es dir. 😉

    • sansanberlin

      Liebe Lena,

      das klingt ja sehr aufregend. Ich melde mich auf jeden Fall vor dem Sommer bei Dir 🙂

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