Stir-up Sunday in Großbritannien: Heute dreht sich alles um den Christmas Pudding

Christmas Pudding Großbritannien©VisitBritain / Britain on View

Dieses Jahr beginnt Weihnachten in Großbritannien am 26. November. Während wir in Deutschland mit dem ersten Adventskaffee so richtig in Weihnachtsstimmung kommen, startet die Vorbereitung auf das Fest für viele Briten schon eine Woche früher. Am letzten Wochenende vor dem ersten Adventssonntag findet in Großbritannien der Stir-Up Sunday statt, an dem traditionell der Christmas Pudding vorbereitet wird.

Was ist Christmas Pudding?

Wer schonmal in Großbritannien „Pudding“ gegessen hat, der weiß, dass das so rein gar nichts mit unserem Vanille- oder Schokoladenpudding gemein hat. Auf der Insel gibt es viele verschiedene Arten von Pudding, wie zum Beispiel ein luftiges Gebäck namens „Yorkshire Pudding,“ das ein unverzichtbarer Begleiter beim traditionellen Sunday Roast ist. Oder aber den Black Pudding, eine Blutwurst. Beim Christmas Pudding sprechen wir allerdings von einer ganz anderen Art von Pudding. Dieser ist süß, gekocht und gedämpft und als Plum Pudding eine beliebte Nachspeise. Irreführend ist der Name dennoch, denn nach traditioneller Zubereitungsmethode enthält der Plum Pudding zwar jede Menge Trockenfrüchte, allerdings keine Pflaumen. Der Christmas Pudding unterscheidet sich von seiner Zubereitungsart nicht vom Plum Pudding, wobei es mittlerweile natürlich zahlreiche Varianten gibt. Während das ursprüngliche Rezept noch nach Fleisch verlangte, wurde dies mehr und mehr durch Rosinen ersetzt. Am Rinderfett, das dem Plum Pudding die ganze besondere, feste Konsistenz geben soll, halten viele auch heute immer noch fest.

Christlicher Ursprung des Stir-up Sunday

Wie so viele Traditionen entspringt auch der Stir-up Sunday einer christlichen Tradition. Stir-up bedeutet im Deutschen „umrühren,“ und wenn ein guter Christmas Pudding eins benötigt, dann ist das Zeit und beherztes Umrühren. Der Name führt jedoch auch auf ein Gebet aus dem „Book of Common Prayer“ der Anglikanischen Kirche zurück. Am letzten Sonntag vor dem Advent wird das Gebet vorgelesen:

„Stir up, we beseech thee, O Lord, the wills of thy faithful people; that they, plenteously bringing forth the fruit of good works, may of thee be plenteously rewarded.“

Auf deutsch heißt das ungefähr so: (dillettantisch von mir übersetzt, wer es besser weiß, gerne her damit)

„Oh Herr, wir bitten dich, rühre den Willen der Gläubigen auf, so dass sie die Frucht guter Arbeit voranbringen und dafür reich belohnt werden.“

Es heißt, dass in diesem Gebet zwei Bedeutungen untergebracht sind: ein Aufruf zum gläubigen Handeln sowie eine konkrete Erinnerung daran, dass die Zeit gekommen ist, um den Christmas Pudding vorzubereiten.

Die unverzichtbaren Zutaten des Christmas Pudding

Bei der Zubereitung des Christmas Pudding sind 13 bestimmte Zutaten unverzichtbar, die Jesus und seine 12 Jünger symbolisieren. Ähnlich wie beim uns bekannten Dreikönigskuchen wird auch im Christmas Pudding ein kleiner Glücksbringer, meist in Form einer Silbermünze, versteckt, der demjenigen, der darauf beißt, ewige Glückseligkeit verspricht. Statt einer Münze finden manchmal auch andere Talismane ihren Weg in den Christmas Pudding Teig: ein „wishbone“, traditionell der Gabelknochen des Huhns, der Glück verspricht, ein Fingerhut, der gute Geschäfte in Aussicht stellt, ein Ring als Symbol für eine baldige Heirat sowie ein Anker als Garant für Sicherheit.

Gekrönt wird der Christmas Pudding traditionell mit einem Stechpalmenzweig, der an die Dornenkrone Jesu Christi erinnert. Doch Vorsicht: das dekorative Grünzeug ist giftig.

Das machen die Briten am Stir-up Sunday

Christmas Pudding flambieren

©VisitBritain / Britain on View

Während die religiöse Bedeutung des Stir-up Sunday mittlerweile etwas in den Hintergrund getreten ist, ist der Stir-up Sunday immer noch ein beliebter Tag, um die Familie in der Vorweihnachtszeit zusammen zu bringen und gemeinsam den Christmas Pudding vorzubereiten.

Denn so ein Christmas Pudding ist erst wirklich gut, wenn er genügend Zeit hat, um durchzuziehen und wenn alle Familienmitglieder daran beteiligt sind. So darf jedes Familienmitglied einmal umrühren und dabei einen Wunsch aussprechen. Ganz traditionell wird die Reihenfolge dabei vom Nesthäkchen bis vom Familienältesten eingehalten und von Ost nach West umgerührt, was an die Reiser der Drei Heiligen Könige erinnern soll.

In Großbritannien ist die Weihnachtszeit immer besonders cozy und viele Briten bekommen glänzende Augen, wenn man sie nach ihren Kindheitserinnerungen fragt. So auch Phil aus Birmingham, der sich an den Christmas Pudding seiner Oma Hessy erinnert: „Nach dem Hauptgericht, einem riesigen Truthahn mit mindestens sieben verschiedenen Gemüsebeilagen, ist ein schweres Dessert eigentlich das letzte, was wir essen wollten. Aber es war für uns immer ein ganz besonderer Moment, wenn unsere Großmutter mit dem Christmas Pudding in das Esszimmer kam. Diesen Christmas Pudding hatte sie sehr wahrscheinlich angefangen zu kochen, als wir gerade in unseren Sommerferien am Strand im Cornwall waren. Der wunderbare, dunkle Pudding war über die letzten Monate bis zur Perfektion gereift, erhielt nun als Krönung einen guten Schuss Brandy und wurde dann flambiert. Wenn du dann noch die 5-Penny-Münze in deiner Portion gefunden und dir daran nicht deine Zähne kaputt gemacht hast, dann warst du ein wahrer Glückspilz.“

Rezept Christmas Pudding für den Stir-up Sunday

Phil wohnt heute nicht mehr in Birmingham, sondern in Nordhessen. Doch er hat großes Glück, denn er ist mit Simone verheiratet, die den Blog „Tea and Scones“ führt und sich auch mit Pudding aller Art ziemlich gut auskennt. Simone erklärt uns noch einmal ganz genau, was Christmas Pudding ist, womit man ihn keinesfalls verwechseln sollte und verrät ein Rezept für Sticky Toffee Pudding, eine besonders saftige, in Toffeesauce getränkte Version eines süßen Puddings.

Ich selbst habe mich noch nicht an die Herstellung eines Christmas Pudding gewagt, deshalb schlage ich dir dieses einfache aber zugleich sehr köstlich klingende Rezept der Foodbloggerin Karo von Hungry Eyes vor.

Christmas Pudding Kochkurs

Clevere Kochschulen in London haben erkannt, dass viele Großstädter Singles sind oder weit entfernt von ihrer Ursprungsfamilie leben und deshalb am Stir-up Sunday nicht genau wissen, was sie machen sollen. Simone von Totally-London.net weiß, dass man auch als Großstadtsingle oder London-Besucher dennoch nicht auf die Tradition des Stir-up Sunday verzichten muss und rät zu einem Stir-up Sunday Event, zum Beispiel in der Willow Bakery, oder einem Christmas Pudding Kochkurs im L’atelier des Chefs.

Christmas Pudding kaufen

Christmas-Pudding-kaufen

…und dann ist es plötzlich Weihnachten und Du hast den Stir-up Sunday verpasst oder traust Dich einfach noch nicht an die Zubereitung eines Christmas Puddings. In diesem Falle ist es durchaus erlaubt, sich einen Christmas Pudding zu kaufen. Flambieren kann man ihn ja trotzdem noch selber. Ich habe mir gestern in Berlin die Hacken abgelaufen auf der Suche nach einem Christmas Pudding. Selbst im Konsumtempel schlechthin, dem KaDeWe, war man sich nicht ganz sicher, ob man die britische Weihnachtsspezialität dieses Jahr noch bekommen würde. Fündig wurde ich letztendlich in der Galeria Kaufhof, in der hintersten Ecke der Lebensmittelabteilung. Einfacher macht uns es natürlich das Internet. Hier kannst Du typisch britischen, bereits gekochten Christmas Pudding kaufen*:

Matthew Walker Luxury Traditioneller britischer Weihnachtspudding (Christmas Pudding) 400g x 1 Medium Size
Matthew Walker Classic Christmas Pudding 454g – Traditioneller englischer Weihnachtskuchen
Tesco Christmas Pudding, 907g
Warrens – Traditional Christmas Pudding (900g)
M&S Classic Christmas Pudding 454g (4 Servings)

*bei den Links handelt es sich um Affiliate Links. Solltest Du Dich für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für Dich ändert sich am Preis rein gar nichts.

Und jetzt: Happy Stir-up Sunday!

Ich bin gespannt auf Deine Geschichte zum Stir-up Sunday oder zum Christmas Pudding. Hast Du schonmal Christmas Pudding gegessen oder gar gekocht? Kennst Du eine Adresse, wo man besonders leckeren Christmas Pudding essen kann? Ich freue mich auf deine Tipps!

7 Kommentare

  1. Ich kann mich noch sehr genau an meinen Englisch Unterricht in der Schule erinnern, da wurde das Thema Weihnachten und der Christmas Pudding total fokusiert. Ich habe ihn bis heute allerdings noch nie gegessen und frage mich sehr wie der wohl schmeckt. Ich habe ja dein Unboxing gesehen und erwarte nun eine Einladung 😉

  2. Liebe Sandra,
    ich mag deinen Schreibstil so sehr! Wie immer liest sich der Post spannend, witzig und leicht. Von dem Stir Up Sunday hatte ich noch nichts gehört, also vielen Dank fürs Aufschlauen, wieder was gelernt 😉
    VG Simone

  3. Liebe Sandra,
    den hätte ich jetzt auch gerne. Gut dass du ein Rezept dazu gepostet hast. Vielleicht kann ich den im nächsten Jahr mal in Angriff nehmen.
    Oder ich fliege nach England und esse ihn live vort Ort.
    Lieben Gruß, Susanne

    • sansanberlin

      Beides ein guter Plan! Ich habe mir für 2018 auch fest vorgenommen, es mal selbst zu wagen mit der Zubereitung eines Christmas Pudding. Man wird sehen, wie das wird 😀

  4. Also ob der Christmas Pudding mein Leibgericht werden wird, wage ich zu bezweifeln, aber kosten würde ich ihn sehr gerne. In Wien gibt es so ein kleines britisches Geschäft, vielleicht habe ich da eine Chance ihn zu kaufen…

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