Kategorie: TEATIME

Das britische Sandwich – alles, was Du wissen musst

britisches Sandwich

Dreieckig, praktisch, gut: das typische Sandwich gehört in Großbritannien zur kulinarischen Grundversorgung. Bis zu 3,5 Milliarden Sandwiches werden pro Jahr in Großbritannien verzehrt, so sagt man. Dem Sandwich zu Ehren gibt es in Großbritannien sogar eine ganze Woche voller Feierlichkeiten und Gaumenfreuden: die British Sandwich Week findet gerade statt und nicht nur das ist Anlass genug, den ikonischen Snack mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Alles, was Du schon immer über die beste lukullische Erfindung der Briten seit dem Scone und Mushy Peas wissen wolltest: hier und jetzt bei A decent cup of tea!

Das britische Sandwich: legendenumrankt

Faulheit gepaart mit Genialität sind die Charaktereigenschaften des 4. Earl of Sandwich, die zur Erfindung der englischen Klappstulle geführt haben. Zumindest besagt es die Legende, dass der Earl namens John Montague sich nur sehr ungern von seinem Stuhl erhob, während er seiner Leidenschaft, dem Kartenspielen, frönte. Was er genauso wenig mochte, waren klebrige Spielkarten – denn damals wurde das Fleisch mit den Fingern gegessen. Weil so ein Kartenspiel mitunter aber ganz schön lange dauern kann und der Earl einen gesunden Appetit sein Eigen nannte, überlegte er sich, dass man doch einfach das Fleisch zwischen zwei Toastscheiben packen konnte. Problem gelöst, Earl satt, Weltidee geboren.

Ein Snack, so viele Ausdrücke

Klar, man könnte ein Sandwich einfach nur ‚Sandwich‘ nennen. Die Briten haben aber einige Ausdrücke mehr um ihren Lieblings-Zwischendurch-Snack zu beschreiben. ‚Butty‘ oder ‚Sarnie‘ sind Bezeichnungen, die man besonders häufig hört. „Grob gesehen und ohne groß zu recherchieren assoziiere ich ‚butty‘ mit Nordengland und ’sarnie‘ mit Südengland,“ verrät mir die Übersetzerin Jane von Jane Eggers Translations. Sie beschäftigt sich von Berufs wegen viel mit englischen Slang-Wörtern und ihrer Herkunft. „Ich denke, ‚butty‘ kommt davon, dass ein Sandwich meist mit Butter gemacht wird, und ’sarnie‘ ist wohl einfach eine abgekürzte Form von ’sandwich‘. Übrigens: das Wort ‚Sandwich‘ kann je nach englischem Sprachraum zu Verwirrungen führen: Traditionell hat der Begriff ’sandwich‘ in Großbritannien eine engere Bedeutung als in den USA. In Großbritannien ist ein ’sandwich‘ eigentlich nur die Variante zwei Scheiben Brot mit etwas dazwischen. Die Variante Brötchen mit etwas dazwischen ist ein ‚roll‘ oder ‚filled roll‘. In den USA kann ’sandwich‘ beides bedeuten. Deshalb kann es auch durchaus sein, dass Amerikaner die Augenbraue hochziehen, wenn sie das Wort ‚butty‘ hören – klingt es doch möglicherweise komisch in deren Ohren, wegen der Ähnlichkeit mit ‚butt‘ (Popo).“

Das perfekte britische Sandwich: so muss es aussehen

Das klassische britische Sandwich ist eigentlich ganz simpel: zwei Scheiben weiches Brot, bestrichen mit Butter, dann Belag in Form von Käse, Gurke, Bratenfleisch oder Schinken. Laut einer Umfrage macht das „humble cheese sandwich“, also das Käse-Sandwich in seiner einfachsten Form, das Lieblings-Lunch der Briten aus. In jedem Supermarkt erhält man die Standardvarianten mit Ei und Kresse, Gurke und Lachs, Thunfisch und Mais, Eiersalat oder Zwiebel und Käse. Neben diesen simplen Ausführungen gibt es mittlerweile unzählige Varianten des klassischen britischen Sandwichs, bis hin zum Gourmet-Sandwich in der Luxusversion. Man muss sich nur mal in der Food-Abteilung von Harrod’s in London umschauen, um eine Idee davon zu bekommen, was alles möglich ist.

Briten empfehlen ihr Lieblings-Sandwich

Eine nicht repräsentative Umfrage unter meinen britischen Freunden ergab eine starke Tendenz zum simplen Sandwich. Simon liebt sein Sandwich mit reifem Cheddar Käse und, ganz wichtig, dem ‚Branston Pickle‘, einem süß-sauren, chutney-artigen Aufstrich mit kleinen Gemüsestückchen, der den Käse komplementiert (ähnlich hier). Wichtig ist auch das passende Brot: während man in Deutschland immer denkt, die Briten essen ungetoastes Toastbrot, legt man Großbritannien durchaus Wert auf ein gutes Sandwichbrot. Das ist zwar weich, aber ungemein saftiger und köstlicher als ein schnödes Toastbrot. Simon bevorzugt Granary- oder Tiger- bzw. Giraffe-Bread. Der Name ist hier übrigens Programm und hat eine ganz eigene Geschichte, wie Du hier lesen kannst. Paul wiederum mag sein Sandwich mit dick geschnittenem Kochschinken und Senf – ein Aufstrich, der für Simon hingegen undenkbar ist. Jimbo hingegen findet, dass die besten Sandwiches gar nicht in Großbritannien zu finden sind: „Wie bei allem, was die ruhmreiche britische Nation erfunden hat, wurde auch die Idee des Sandwiches von anderen Ländern geklaut, nur um sie dann besser zu machen.“ Wenn’s denn aber sein muss, isst er durchaus gerne ein ‚bap‘ mit Bacon, Ei, und Würstchen mit brauner Sauce. Rund, weich und brötchenförmig, so sieht ein ‚bap‘ aus – ob das nach Jane Eggers Definition noch als klassisches Sandwich gelten darf?

Oscar, Grammies…und Sammies!

Für die Filmindustrie gibt es die Oscars, das Musikbiz hat den Grammy, und in Großbritannien werden jedes Jahr im Mai die Sammies verliehen. Bei den ‚British Sandwich Industry Awards‘ wird der Sandwich-Designer of the Year in unterschiedlichen Kategorien gekürt. In 2017 ging die begehrte Trophäe an Martin Wilshire von der ‚2 Sisters Food Group‘, für sein St.-Clements-Duck-Sandwich.

Britisches Sandwich für Fortgeschrittene:
Tipps von der Foodbloggerin

Ich gebe es zu, ich bin kein Experte in Sachen Sandwich. Ich esse es überaus gerne (am liebsten übrigens das ‚Ploughman’s‘ mit Cheddar und Pickle), aber Kunst kommt ja nicht von Wollen, sondern von Können. Eine wahre Künstlerin in der Küche ist hingegen Rose von A Modern Rose. Die britische Foodbloggerin aus Berlin hat mir verraten, warum die Briten so auf Sandwich stehen, worauf es bei einem richtig guten Sandwich ankommt und wie es keinesfalls zubereitet sein sollte.

Vervollständige den Satz: „Das perfekte Sandwich ist_____“
…mit qualitativ gutem Brot zubereitet, das weder zu dick noch zu dün ist, und mit einer Mischung aus guten Zutaten belegt.

Warum sind Sandwiches in Großbritannien so beliebt?
Das hat wohl damit zu tun, dass sie einerseits so leicht zuzubereiten und andererseits so variabel sind. Man kann echt alles in ein Sandwich packen! Sie haben auch eine nostalgische Komponente an sich, da wir alle mit Sandwiches in der Pausenbrotbox aufgewachsen sind. Dazu kommt, dass wirklich an jeder Ecke ein Sandwich bekommt und die Auswahl schier endlos ist – auch wenn Du jeden Tag ein Sandwich isst, kommt es Dir nicht immer wie das selbe Essen vor!

Was ist Deine Lieblingszutat für ein Sandwich?
Ich bin mit Käse-Sandwiches groß geworden, deshalb muss ich einfach zugeben, dass ‚Cheese & Pickle‘ mein Lieblings-Sandwich ist! Meiner Meinung nach eigenen sich Chili, Garnele und Rucola aber auch hervorragend dafür. Das macht das Sandwich so frisch und die Chili gibt den gewissen Kick.

Was war das exotischste Sandwich, dass Du jemals gegessen hast?
Jerk Chicken mit gewürfelter Mango – köstlich!

Wer macht das beste Sandwich?
Seitdem ich in Berlin wohne würde ich sagen, dass in meiner Küche die besten Sandwiches gemacht werden! Ich kann hier in Berlin einfach kein anständiges Sandwich finden, außer bei Barcomi’s, die Sandwiches auf saftigen, dicken Brotscheiben machen und sie mit leckeren Zutaten wie zum Beispiel Chicken Salad belegen.

Warum hat das britische Sandwich außerhalb Großbritanniens einen eher zweifelhaften Ruf?
Das liegt wohl an dem Missverständnis, dass man sich ein Sandwich als ein paar labbrige Stücke Brot mit ein weg geschmacksneutralem Belag vorstellt. Natürlich gibt es jede Menge dieser Sandwiche, aber ein Sandwich kann natürlich auch ein sehr frischer Snack mit schmackhaften Zutaten sein.

Wie darf ein Sandwich keineswegs sein?
Irgendwann habe ich ein Ei-& Spinat-Sandwich gegessen, das einfach furchtbar war. Der Spinat war sehr schlecht zu kauen und dennoch sehr wässrig, was das Brot dann feucht labbrig gemacht hat. Was ich auch nicht mag sind rohe Zwiebeln im Sandwich! Zuviel Butter und eine dünner, trauriger Belag sind auch Garanten für ein wirklich schreckliches Sandwich!

Und jetzt: Guten Appetit mit dem britischen Sandwich!

Na, Hunger bekommen? Ich auf jeden Fall. Ich brauche auch keine British Sandwich Week, um mich über ein britisches Sandwich zu freuen. Bei mir könnte theoretisch jeden Tag Sandwich-Day sein. Falls Du inspiriert bist von Roses Sandwich-Tipps, dann schau‘ unbedingt mal auf ihrem Blog A Modern Rose vorbei – das Rezept für ihr Chili-Garnelen-Rucola Sandwich findest Du hier. Wie stehst Du zum Thema Sandwich? Was muss, was kann, was darf auf gar keinen Fall? Und wo gibt’s das beste Sandwich? Ich freue mich über Deine Tipps!

Hot Cross Buns – britisches Gebäck an Ostern

Hot Cross Buns

In Großbritannien kommt man in der Osterwoche nicht an ihnen vorbei: ein süßes, fluffiges Gebäck namens Hot Cross Buns. Es gibt unterschiedliche Theorien über die Entstehungsgeschichte der Rosinenbrötchen, aber ziemlich sicher ist, dass die Tudors ihre Finger dabei im Spiel hatten. Denn schließlich war es unter dem Hause Tudors, dass die würzigen Brötchen bekannt wurden, und unter ihrer Herrschaft wurde Ende des 16. Jahrhunderts ein Gesetz erlassen, was den Verkauf des Hefegebäcks an allen Tagen außer Karfreitag, den Weihnachtsfeiertagen sowie zu Beerdigungen verbot. Weiterlesen

Britisch in Berlin: Königliche Gartenakademie

Café in der Königlichen Gartenakademie

Am liebsten würde ich ja mindestens einmal im Monat den Ärmelkanal überqueren, um britische Luft zu atmen. Das bekommt aber selbst eine Großbritannien-Bloggerin nicht immer hin. Was für ein Glück, dass es auch in meiner Wahlheimat Berlin einige Orte gibt, an denen man sich „very british“ fühlen kann. Den Anfang macht eine Gartenschule, in der man nicht nur Inspirationen und Hilfe für den grünen Daumen bekommt, sondern auch eine sehr anständige Tasse Tee bekommt. Weiterlesen

Pancake Day 2017: So feiern die Briten den Faschingsdienstag (mit original britischem Pfannkuchenrezept)

Pancake mit Zitrone

Zum Karneval nach Großbritannien? Exotische Kostüme, Samba und Party auf Londons Straßen? Guter Plan, aber dafür musst Du dich noch eine ganze Weile gedulden: der berühmte Notting Hill Carnival nach Vorbild des Karnevals in Rio findet erst im Spätsommer statt. Denn, auch wenn die Briten angeblich nie zu frieren scheinen: es tanzt sich auch auf englischen Straßen bei wärmeren Temperaturen eindeutig besser. Während die dreitägige Open-Air-Sause jedes Jahr Ende August Tausende von Touristen nach London lockt, gibt es eine weitere Faschingstradition, die außerhalb des Vereinigten Königreichs nur wenigen bekannt ist. Der „Shrove Tuesday,“ Weiterlesen

Großbritannien auf der Berlinale

Endlich ist es so weit: die 67. Berlinale ist gestartet. Neben den vielen kleinen und großen Filmen, die um die Gunst des Publikums und des Bären buhlen, haben es mir die britischen Beiträge besonders angetan. In allen Festival-Sektionen ist das vereinigte Königreich vertreten und ich kann es kaum erwarten, endlich wieder die einprägsame Vorspannmusik zu hören und gespannt auf meinen ersten offiziellen Film zu warten. Weiterlesen

Teatime!

Sit down and have a nice cup of tea!

Was Du hier bald zu lesen bekommst: Alles, was zu einer guten Tasse Tee gehört. An vorderster Stelle geht es hier natürlich um britische Teekultur. Und alles, was mit Teetrinken einhergeht: Gossip, Kultur, Aktuelles…so, wie wenn Du mit Deiner besten Freundin zusammenkommst um Tee zu trinken. Tea is always a good idea? Yes please!