Britische Teekultur – so trinken die Briten ihren Tee

britische-teekulturTee zur Suppe ist ein leichtes Mittagessen

Man könnte meinen, in den Adern der Briten würde Tee und nicht Blut fließen – in Großbritannien werden jährlich über 60 Milliarden Tassen Tee getrunken, so behauptet das zumindest die UK Tea & Infusions Organisation. Das macht über 900 Tassen Tee pro Person innerhalb von 365 Tagen – eine Zahl, die wohl nur noch von den Nordfriesen getoppt wird.

Tee ist das Lebenselixier der Briten

Auch wenn es in der typischen Stadt in England, Schottland oder Wales mitunter gar nicht mehr so einfach ist, einen echten Tea Room zu finden (die Kaffeeketten nehmen wie anderorts auch überhand) gehört eine schöne Tasse Tee zum britischen Lifestyle. Tee wird morgens zum Toast getrunken, als Aufputscher nach dem Mittagstief und sogar Abends zum Dinner. Im Norden Englands wie zum Beispiel in Manchester heißt „dinner“ sogar „tea“, aber das ist nochmal eine ganz andere Geschichte.

Was macht britische Teekultur aus?

Tee wird in Großbritannien tagtäglich getrunken, und in den meisten Fällen recht unspektakulär: Tasse, Teebeutel, heißes Wasser, fertig. Vielleicht kommt danach noch etwas Milch rein und ein wenig Zucker, oder aber viel Zucker. Dazu später mehr. Ein typischer Begleiter zum Tee (und nicht andersherum) ist ein britisches Teegebäck wie zum Beispiel Shortbread.

Kurze Geschichte britischer Teekultur

Im frühen 17. Jahrhundert machten die Briten erstmals Bekanntschaft mit dem schwarzen Heißgetränk, als Tee von der East India Company auf die Insel gebracht wurde.

Tee war damals ein sehr exklusives Produkt, das sich nur die Reichsten der Reichen leisten könnten. Katharina von Braganza, die Infantin von Portugal und Ehefrau des englischen Königs Karl II. führte das Ritual des Teetrinkens am englischen Hof ein.

Das erste Teegeschäft in London

Der Afternoon Tea wurde dank ihr zu einem Trend innerhalb des Adels. Als Thomas Twining 1717 das erste Teegeschäft eröffnete begann der Siegeszug des „Tee für alle“ und es wurden enorme Mengen an chinesischem Tee importiert. 1834 verlor die East India Company ihre Monopolstellung, was den Teehandel mit China betraf und Tee wurde fortan von findigen Geschäftsmännern mit sehr schnellen Booten von China nach Großbritannien transportiert. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Indien und leicht später Sri Lanka – damals Ceylon – als wichtige Teelieferanten hinzu.

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Tee und Kuchen ist eine Kombi, die man in England auch häufig findet

Beliebte Teesorten in Großbritannien

Es heißt, in Großbritannien gibt es über 1.500 verschiedene Teesorten. Und jede einzelne davon schmeckt anders, sieht anders aus und dient einem anderen Zweck. Gut zu wissen: In Großbritannien handelt es sich bei „tea“ normalerweise nur um Schwarztee. Kräuter- oder Früchtetees werden auf englisch „infusion“ oder „herbal infusion“ genannt. Beliebt in Großbritannien sind Teemischungen aus Indien, Sri Lanka, China und Afrika. Ebenfalls sehr populär sind aromatisierte Schwarztees, allen voran der berühmte Earl Grey Tee.

Die beliebtesten Teearten in Großbritannien kommen hauptsächlich aus Indien und China.

Indische Tees

Indien zählt zu den führenden Ländern im Teeanbau. Die beliebtesten indischen Sorten in Großbritannien sind:

  • Darjeeling aus Nordindien. Darjeeling ist leicht und elegant – perfekt, um einen Afternoon Tea damit zu beginnen.
  • Ceylon Tee aus Nordindien. Ein aromatischer Tee, etwas stärker als Darjeeling.
  • Assam: ein starker Tee, der sich auch gut in „blends“ macht, also einer Mischung aus unterschiedlichen Schwarztees. Der starke und würzige Assam ist eine perfekter Kaffeealternative und schmeckt besonders gut am Ende eines Afternoon Tea, zu süßem Gebäck und Schokolade.

Daneben gibt es noch Darjeeling Orange Pekoe und Ceylon Broken Orange Pekoe – anders als der Name vermuten lässt, ist darin allerdings keine Orange enthalten, sondern der Begriff beschreibt die Größe der Teeblätter.

Chinesische Tees

China produziert 18% des Weltteeaufkommens und in Großbritannien sind besonders diese beiden Sorten beliebt:

  • Lapsang Souchong aus den Hügeln von Fujian. Der wohl berühmteste chinesische Tee mit einem starken, rauchigen Aroma und Geschmack. Man muss es mögen, für mich persönlich schmeckt er wie ein Räucherschinken, aber da bin ich wahrscheinlich einfach eine Banause.
  • Yunann aus der gleichnamigen chinesischen Provinz. Reichhaltig in Aroma und Geschmack ist er perfekt für eine erste Tasse am frühen Morgen.

Unterschiedliche Schwarztees für unterschiedliche soziale Schichten?

Tee ist das Alltagsgetränk zu Hause, Tee ist aber auch ein edler Begleiter zu einer fancy Tea Time. Es gilt das Gerücht, dass vor allem die Arbeiterklasse den Tee stark bevorzugt – ein klassisches Beispiel ist der „builders tea“, ein dunkles Gebräu mit würziger Note. Je höher die soziale Schicht, desto schwächer der Tee – was gegen diese Binsenweisheit spricht, ist die Vorliebe von Königin Elisabeth der II. zu durchaus kräftigem Assam Tee.

Milch und Zucker im Tee: eine Frage der Ehre

Warum machen Engländer Milch in den Tee? Trinken die Engländer Tee mit Milch und Zucker? Wenn es um oder Zucker Milch im Tee geht, wird aus einer eigentlich profanen Gewohnheit eine kontrovers diskutierte Angelegenheit. Zucker im Tee? Ein eindeutiges Zeichen für geringe Bildung oder einen nicht sonderlich ausgeprägten Intellekt. Das sage nicht ich, das ist eine Aussage, die sich oft in alten Fibeln zur erlesenen britischen Tisch- und Teekultur findet.

Britische Teerituale: mehr als nur Afternoon Tea

Elevenses

Irgendjemand hat mal rausgefunden, dass um 11 Uhr Vormittags die perfekte Zeit für eine Tasse Tee ist. Warum auch nicht! Deshalb gibt es die Tradition der „Elevenses“ – ein Tässchen Schwarztee,  das mit einem kleinen Snack wie Kuchen oder Teekeks kombiniert wird.

Formal tea

Formal tea“ sagt man immer dann, wenn eine Tasse Tee eben nicht nur auf die Schnelle nebenher getrunken wird, sondern rund um den Tee ein echtes Ritual stattfindet. „Formal tea“ ist meist gleichbedeutend mit Afternoon Tea, der feinen englischen Art, Tee und seine kulinarischen Begleiter zu zelebrieren.

Afternoon Tea

Afternoon Tea ist eine echte Institution in Großbritannien. Bein einem Afternoon Tea handelt es sich um bestimmte kleine Snacks und Gebäcke, die zum Tee gereicht werden. Traditionellerweise in fester Reihenfolge und auf einer Etagère serviert. Ein Afternoon Tea startet klassisch mit Sandwiches – den britischen Sandwichklassikern Gurkensandwich, Sandwich mit Lachs oder Roastbeef. Oftmals denken sich die Köche beim Afternoon Tea in Luxushotels etwas eigenes aus – beim Hotel de Rome gibt es zum Beispiel eine „Berliner Stulle“ mit Schmalz statt des typisch britischen Sandwiches. Nach den Sandwiches gibt es beim Afternoon Tea Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade. Als dritter Gang werden beim Afternoon Tea Petit Fours oder kleine Kuchenstücke serviert.

Während des traditionellen Afternoon Tea können verschiedene Sorten Tee getrunken werden – manche Hotels haben sogar extra ausgebildete Tea Master oder Tee-Sommeliers, die zur jeweils richtigen Teesorte raten.

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Traditionelle Afternoon Tea

High Tea

In Deutschland wird manchmal etwas unter dem Begriff „High Tea“ angeboten, was eigentlich ein typischer Afternoon Tea ist. Aber was ist nun der Unterschied zwischen High Tea und Afternoon Tea? In der britischen Teekultur ist High Tea eher mit dem Abendessen gleichzusetzen. Der High Tea beinhaltet normalerweise Brot, Gemüse, Fleisch und Tee. In der Vergangenheit wurde High Tea mit einer einfachen Mahlzeit für die Arbeiterklasse assoziiert, während Afternoon Tea der High Society vorbehalten war.

Cream Tea

Cream Tea besteht aus einem Kännchen Tee, zu dem normalerweise zwei Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade serviert werden. Clotted Cream ist eine Art gekochte Sahne – dicker als Schlagsahne und sogar noch reichhaltiger als Crème Fraiche. Alles über Scones. das Kultgebäck der Briten, erfährst du in meinem ultimativen Scones-Guide.

Tea Rooms und Tea Shops

Tea Rooms waren ursprünglich Orte, an denen sich Frauen außerhalb ihres Hauses zu einem Teekränzchen mit Klatsch und Tratsch treffen konnten. Die Anzahl an Tea Rooms in Großbritannien ist in den letzten Jahren jedoch stark zurückgegangen, doch mancherorts lässt sich sogar ein Revival beobachten. Vor allem an touristischen Orten sowie in kleineren Städten entlang der englischen Küste gibt es sehr pittoreske kleine Tea Rooms, die Afternoon Tea und Cream Tea servieren.

Tea Gardens

Eine Tradition des 18. Jahrhunderts, die ich heute auch sehr gerne wieder begehen würde, sind die „Tea Gardens“. Ein typischer Tanztee, nur eben draußen im Garten. Wäre ja mal eine Idee für diesen Sommer, wer ist dabei?

scone mit tee

Ein einfacher Cream Tea mit Scones, Clotted Cream und Erdbeermarmelade

Die perfekte Tasse Tee

Wie macht man eine perfekte Tasse Tee? Um diese zunächst harmlos scheinende Frage gibt es wahre Glaubenskriege, das wusste einst sogar George Orwell: „the best manner of making it is the subject of violent disputes.“ Ich mag die Diskussion darum so sehr, dass ich sogar meinen Blog danach benannt habe. Obwohl es statt „A decent cup of tea“ wahrscheinlich richtig „the perfect cuppa“ heißen müsste.

Wie lange muss Tee ziehen?

Irgendwo habe ich gelesen, dass sich jetzt sogar britische Wissenschaftler der perfekten Tasse Tee angenommen haben, um die Angelegenheit ein für allemal zu klären. Ergebnis der intensiven Forschung waren folgende Erkenntnisse: Tee muss exakt (ja, wirklich auf die Sekunde genau exakt) fünf Minuten ziehen, damit er perfekt ist – und er soll am besten aus einer roten oder rosafarbenen Tasse getrunken werden. Warum das mit der Farbe der Tasse so wichtig ist habe ich selbst noch nicht herausgefunden.

Tee zubereiten – Tee trinken wie die Engländer

Wenn du endlich wirklich richtig guten Tee machen willst, dann halte dich an die folgende Vorgehensweise:

  • Gebe frisches Wasser in einen Teekessel (alternativ Wasserkocher) und bringe es zum Kochen
  • Schwenke die Teekanne mit ein wenig von dem heißen Wasser aus, um sie vorzuwärmen.
  • Gebe einen Teelöffel losen Tee pro Person in die Teekanne und zusätzlich einen weiteren.
  • Übergieße den Tee mit kochenden Wasser.
  • Lasse den Tee exakt fünf Minuten ziehen. (Manche Sorten erfordern eine geringere Dauer, hier reichen 3-4 Minuten aus).
  • Gieße den Tee durch ein Sieb direkt in eine Porzellantasse.

Ich gebe es zu, für meinen Alltagstee verwende ich Teebeutel und gieße ihn direkt in der Tasse auf. Wenn ich aber einen Afternoon Tea zubereite oder mir etwas besonderes gönne, dann muss es natürlich loser Tee sein.

 So trinkt Queen Elisabeth II. ihren Tee

Wer nicht wenn Königin Elisabeth II. könnte als leuchtendes Vorbild einer passionierten Teetrinkerin dienen? Unlängst plauderte Grant Harrold, seines Zeichens langjähriger Butler der Queen aus dem Nähkästchen und verriet ihre Gepflogenheit und Vorlieben in Sachen Tee.

Laut des royalen Butlers trinkt die Queen ihren Assam oder Earl Grey Tee auf traditionelle Art und Weise. Das bedeutet: Teeblätter in der Teekanne und späteres Sieben des Tees in eine hochwertige Porzellantasse.

Im Zuge dessen klärte Harrold auch noch die Frage der Fragen: selbstverständlich trinkt die Queen „tea in first“, das heißt erst kommt der Tee, dann die Milch – und nicht andersrum.

queen elisabeth tee

The Queen is not amused: klar, denn niemals würde Königin Elisabeth II. ihren Tee aus so einer profanen Tasse trinken

Afternoon Tea in Deutschland

 Es gibt kaum einen angenehmeren Zeitvertreib in Großbritannien als ein gepflegter Afternoon Tea. Bei deiner nächsten Großbritannien-Reise solltest du dir dieses (zugegebenermaßen nicht immer günstige) kulinarische Vergnügen auf jeden Fall gönnen. Falls du in nächster Zeit nicht auf die Insel kommst, hast du auch in Deutschland an vielen Orten die Möglichkeit, einen traditionellen britischen Afternoon Tea zu zelebrieren. Inspiration und Tipps dafür findest du in einer Übersicht zu Afternoon Tea in Deutschland.

1 Kommentare

  1. Super Artikel, liebe Sandra, zur englischen Teekultur. Während meiner 8 Monate im Norden Englands griff auch ich ganz selbstverständlich zum Tee. Er gehört ganz einfach dazu. Ich habe ihn übrigens „white“ getrunken, was ich heute gar nicht mehr tue. Da viele Häuser nicht besonders gut isoliert sind in England, ist dies auch die perfekte Art, sich von innen zu wärmen 🙂

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